Was ist das Lieferantenmanagement

Die Leistungen der Lieferanten beziehungsweise Zulieferer, egal ob es sich um Rohstoffe, Komponenten zur Weiterverarbeitung oder Fertigprodukte handelt, stehen am Beginn der eigenen Wertschöpfungskette und bilden damit die Basis des eigenen wirtschaftlichen Erfolges. Ebenso beeinflussen Dienstleistungen externer Partner die eigene Wertschöpfung und sind zur Erfüllung der Kundenwünsche unerlässlich.

Um dieses wichtige Glied der Wertschöpfungskette effektiv und effizient zu steuern und optimal nutzen zu können, wird ein systematischer Ansatz benötigt, der hilft, unterschiedlichste Einflussfaktoren zu bewerten und die daraus gewonnen Erkenntnisse umzusetzen.

Diesen systematischen Ansatz bietet das Lieferantenmanagement.

Welche Haupteinflussfaktoren gibt es für das Lieferantenmanagement?

Preise

Da der Anteil des zugekauften Materials am Umsatz  in der Industrie oftmals sehr hoch ist, wird bei der Beschaffung dieses Materials häufig zuerst auf den Einkaufspreis geachtet. Ziel ist es dabei, die Materialquote so gering wie möglich zu halten. 

Lieferzeiten und Liefertreue

Um die eigene Wertschöpfung sicher steuern zu können, sind die Lieferzeiten und vor allem die Einhaltung der vereinbarten Liefertermine wichtige Faktoren. Nur so lassen sich vorhandene Produktionskapazitäten optimal nutzen.
Fehlende Mengen oder zu lange Lieferzeiten müssen dann durch Bestände oder Sicherungskäufe kompensiert werden.

(mangelnde) Qualität

Die Qualität der gelieferten Produkte beeinflusst in den meisten Fällen direkt die Qualität der eigenen Produkte und kann im schlimmsten Fall zu hohen Reklamationskosten oder einem Imageschaden des eigenen Produktes am Markt führen.
Wird die mangelnde Qualität der beschafften Produkte zu spät in der eigenen Wertschöpfungskette erkannt und dadurch Ausschuss produziert, erhöht sich direkt die Materialquote. Durch die Fehlproduktion wird folglich auch teure Fertigungskapazität verschwendet.
Das Stichwort heißt hier Qualitätskosten bzw. COPQ (cost of poor quality)

Kompetenz

Bei diesem Punkt geht es darum, welches Potential im fachspezifischen Know- How des Lieferanten liegt.

  • Bietet der Lieferant spezielle Technologien an, welche die eigene Wertschöpfungskette sinnvoll ergänzen können?
  • Können diese Technologien auch bei der Entwicklung neuer Produkte berücksichtigt werden?
  • Kann der Lieferant bei der Entwicklung mit speziellem Know- How unterstützen?

Die Kompetenz eines Lieferanten ist das vielleicht am schwersten zu bewertende Kriterium, bietet aber im Gegenzug auch ein sehr hohes Potential, um die eigene Wertschöpfungskette zu optimieren. Bei der Entscheidung über Lieferantenkooperation oder Lieferantenintegration ist dieses Kriterium ausschlaggebend.

Weitere Einflussfaktoren

Neben diesen Haupteinflussfaktoren gibt es noch eine Vielzahl weiter Punkte, die bei der Leistungsoptimierung der Lieferanten berücksichtigt werden sollten.

Beispielsweise ist die Reaktionsgeschwindigkeit und Herangehensweise bei der Reklamationsbearbeitung oftmals ausschlaggebend für die Auswirkungen fehlerhaft gelieferter Produkte.

Wie können diese Faktoren gezielt gesteuert werden?

Generell benötigt man zur Steuerung bestimmte Kriterien. Das können Kennzahlen oder sogenannte "weiche Faktoren" sein.
Wichtig ist, dass für diese Kriterien Vorgaben existieren, die durch Messwerte überprüft werden können.

Welche Kriterien für das Lieferantenmanagement verwendet werden können, habe ich oben bereits kurz erläutert, doch fehlen bisher sowohl die Vorgaben als auch die Messwerte.

Das Lieferantenmanagement bietet Systeme zur Definition der Vorgaben sowie zur Erfassung der jeweiligen Messwerte.

Das strategische Lieferantenmanagement

Im strategischen Teil des Lieferantenmanagements werden die Rahmenbedingungen für alle weiteren Schritte definiert. Dabei werden zum Beispiel die Beschaffungsstrategie sowie Ort- und Anzahl der Lieferanten für das jeweilige Produkt festgelegt.
Aus diesen Überlegungen folgen Festlegungen, welche Lieferanten oder Produkte sorgfältig ausgewählt oder dauerhaft überwacht werden müssen.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt innerhalb des strategischen Lieferantenmanagements ist die Auswahl neuer Lieferanten. Für diese Aufgabe wird ein Lieferantenauswahlprozess definiert, der Möglichkeiten und Verfahren bietet, neue Lieferanten anhand der vorgegebenen Kriterien zu bewerten.

Das strategische Lieferantenmanagement liefert damit die Vorgaben für die festgelegten Kriterien.

Das operatives Lieferantenmanagement

Das operative Lieferantenmanagement hat zwei Hauptaufgaben.

Die Vorgaben des strategischen Lieferantenmanagements müssen durch einen geeigneten Prozess überwacht werden. Dieser Prozess wird als Lieferantenbewertung bezeichnet und beinhaltet die kontinuierliche Messung der Leistung bezüglich der festgelegten Einflussfaktoren.

Innerhalb der Lieferantenentwicklung werden Methoden genutzt, um das Erreichen der Vorgaben sicherzustellen und die Leistung des Lieferanten kontinuierlich und nachhaltig zu verbessern.

Damit liefert das operative Lieferantenmanagement die Messwerte zu den festgelegten Einflussfaktoren und stellt die Einhaltung der Vorgaben sicher.

Können beide Teile des Lieferantenmanagements unabhängig voneinander existieren?

Nach dem Prozessansatz ergeben sich innerhalb des Lieferantenmanagements sowohl ein strategischer als auch ein operativer Regelkreis. Beide Regelkreise folgen dabei für sich dem PDCA- Zyklus, sind in sich geschlossen und können prinzipiell getrennt voneinander existieren.

Abhängig von der Größe und Struktur des Unternehmens ist es auch denkbar, nur den operativen Bereich des Lieferantenmanagements zu implementieren.

Um den größtmöglichen Nutzen und damit die optimale Leistung der Lieferanten zu erreichen ist es aber sinnvoll, die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem operativen Regelkreis in die Planungsphase des strategischen Regelkreises einfließen zu lassen.
Nur so ist die kontinuierliche Verbesserung des Systems und damit die langfristige und nachhaltige Optimierung der Lieferantenleistung sichergestellt.

Zusammenfassung

Das Lieferantenmanagement ist ein prozessorientierter, systematischer Ansatz zur kontinuierlichen Optimierung der Leistung von Lieferanten.
Das Lieferantenmanagement berücksichtigt dabei alle Faktoren, welche die eigene Wertschöpfungskette beeinflussen und bietet Methoden für die Optimierung dieser Faktoren.

Die Hauptaufgaben des Lieferantenmanagements sind dabei:

  • Definition der Rahmenbedingungen
  • Lieferantenauswahl
  • Lieferantenbewertung
  • Lieferantenentwicklung

Das System setzt sich aus einem strategischen und einem operativen Regelkreis zusammen, die im optimalen Fall gekoppelt und durch den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung weiterentwickelt werden.

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